Grundstück verkaufen: Bauland richtig bewerten und verkaufen

Auf Ricardo, Tutti oder Facebook Marketplace verkauft sich fast alles mit wenigen Klicks – Fachwissen ist dabei kaum gefragt. Bei Immobilien gelten andere Regeln: Ohne notariell beurkundeten Kaufvertrag kommt kein gültiger Deal zustande, dazu kommt ein Berg an Unterlagen, den potenzielle Käufer für ihre Entscheidung benötigen. Schnell stösst man als Laie an seine Grenzen.

Der Verkauf eines Grundstücks verlangt eine sorgfältige Vorbereitung, eine realistische Bewertung und klare Abklärungen zur Bebaubarkeit.

Besonders anspruchsvoll gestaltet sich der Verkauf von Bauland – also nicht das klassische Einfamilienhaus, sondern unbebaute Parzellen oder Liegenschaften mit Altbestand und ungenutzten Ausnutzungsreserven. Hier ist nicht nur Marktgespür gefragt, sondern auch solides Bauwissen. Genau an diesem Punkt macht professionelle Beratung den entscheidenden Unterschied.

Verkaufen oder selbst bebauen?

Wer alleiniger Eigentümer ist, hat es bei dieser Entscheidung vergleichsweise einfach. Bei Erbengemeinschaften hingegen muss eine ganze Gruppe einen gemeinsamen Konsens finden – eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

In jedem Fall steht zunächst eine Grundsatzentscheidung an: Kann ich mir vorstellen, auf diesem Grundstück zu leben? Habe ich die Entschlossenheit, den Mut, die Kraft und die nötigen Ressourcen – nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich –, um einen Neubau zu realisieren? Wer diese Frage klar mit Nein beantwortet, kann sich direkt mit dem Verkaufsprozess befassen.

Hängt die Entscheidung von den finanziellen Verhältnissen ab, lohnt sich eine professionelle Grundstücksbewertung. Bei der von Experten empfohlenen Residualwertmethode lassen sich dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Ein mögliches Bauprojekt wird skizziert, und daraus wird der Grundstückswert unter Berücksichtigung von Ertragswert und Baukosten hergeleitet. Das Ergebnis liefert sowohl eine realistische Einschätzung der Neubaukosten als auch den aktuellen Marktwert bei einem Verkauf – eine solide Grundlage für eine fundierte Entscheidung.

Der Grundeigentümer Verband Schweiz bietet eine solche Grundstücksbewertung kostenlos an.

Vorgehen beim Grundstückverkauf Schritt für Schritt

Der Entscheid steht fest: Das Grundstück soll veräussert werden. Wie geht man nun am besten vor?

Prioritäten klären
Am Anfang steht die Frage nach den eigenen Prioritäten: Was ist mir als Verkäufer wirklich wichtig? Mögliche Antworten darauf können sein:

  • Ich möchte den maximalen Preis erzielen – wer das Grundstück übernimmt, ist mir dabei nicht wichtig.
  • Mir liegt es am Herzen, dass das Grundstück in vertrauten Händen bleibt und möglichst an Verwandte oder Bekannte geht.
  • Das Grundstück soll auch künftig in etwa so genutzt werden wie bisher – sei es aus emotionalen Gründen, etwa weil Familiengeschichte daran hängt. Eine grossflächige Überbauung kommt für mich nicht infrage.

Steht nicht der Höchstpreis im Vordergrund, kann es sinnvoll sein, den bevorstehenden Verkauf zunächst diskret im privaten Umfeld zu kommunizieren. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Solche Informationen verbreiten sich erfahrungsgemäss schnell, und plötzlich melden sich nicht nur Bekannte, sondern auch Immobilienfirmen en masse. Auch in diesem Fall kann es sich lohnen, einen Vermittler beizuziehen, der die eigenen Präferenzen gezielt einbringt.

Wer hingegen den bestmöglichen Preis anstrebt – und das ist in den meisten Fällen so –, kommt an professioneller Unterstützung nicht vorbei.

Verkäuflichkeit abklären
Bevor der eigentliche Verkaufsprozess beginnt, ist zu klären, ob das Grundstück überhaupt verkäuflich ist. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • Die Grösse der Parzelle – auf 100 m² lässt sich kaum ein Haus realisieren.
  • Die Zonenart – Bauzone, Kernzone, Landwirtschaftszone etc.
  • Allfällige Einträge im Grundbuch, etwa Veräusserungs- oder Baubeschränkungen.
  • Die aktuelle Gefahrenkarte.

Viele dieser Informationen lassen sich dem ÖREB-Kataster entnehmen. ÖREB steht für «Öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen» und ist etwa über Cadastre.ch öffentlich abrufbar. Der Auszug enthält unter anderem Angaben zur Bauzone, zur Parzellengrösse, zu Gefahrenzonen, allfälligen Überbauungsplänen und Baulinien.

Ergänzend dazu empfiehlt sich die Prüfung des Grundbuchauszugs, der beim zuständigen Grundbuchamt erhältlich ist. Enthält das Grundbuch etwa eine Veräusserungsbeschränkung, muss diese vor dem Verkauf gelöscht werden – sonst gilt das Grundstück rechtlich als nicht veräusserbar.

Da viele dieser Dokumente für Laien schwer verständlich sind, empfiehlt sich bereits in dieser frühen Phase professionelle Unterstützung.

Dokumente beschaffen
Potenzielle Käufer benötigen für ihre Entscheidung zwingend folgende Unterlagen:

  • Grundbuchauszug
  • ÖREB-Auszug
  • Baureglement der Gemeinde
  • Wortlaute von Dienstbarkeiten und Grundlasten (Veräusserungsbeschränkungen, Baubeschränkungen wie Näherbaurechte etc.)
  • Allfällige Überbauungsordnungen
  • Gefahrenkarte
  • Je nach Grundstück weitere grundstückspezifische Dokumente

Verkaufspreis ermitteln
Auf Basis einer professionellen Immobilienbewertung lässt sich ein marktgerechter und plausibler Verkaufspreis festlegen. Wie eine solche Bewertung funktioniert, wird weiter unten im Artikel erläutert.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Verkauf?

Entgegen verbreiteten Mythen gibt es keine ideale Jahreszeit für einen Grundstücksverkauf. Im umkämpften Schweizer Immobilienmarkt sind an den meisten Lagen das ganze Jahr über kaufbereite Interessenten vorhanden.
Sinnvoll ist jedoch die Beobachtung der Zinsentwicklung: Tiefe Zinsen verbessern die Finanzierungsbedingungen für Käufer und wirken sich positiv auf den erzielbaren Preis aus. Wenn in absehbarer Zeit eine Leitzinserhöhung erwartet wird, kann es sich lohnen, den Verkauf nicht unnötig hinauszuzögern.

Verkaufsstrategie: On-Market oder Off-Market?

Die zuvor geklärten Prioritäten bestimmen massgeblich die Verkaufsstrategie. Eine Off-Market-Strategie – also der Verzicht auf eine öffentliche Ausschreibung zugunsten einer diskreten Vermarktung im bestehenden Netzwerk – kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Wer jedoch den Höchstpreis anstrebt, ist mit dieser Methode schlecht beraten: Sie erreicht schlicht nicht alle potenziellen Käufer.

Praxistipp: Viele Immobilienvermittler werben damit, in ihrem Netzwerk bereits einen passenden Käufer zu kennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser tatsächlich auf das spezifische Objekt passt, ist jedoch gering. Solche Aussagen sollten stets kritisch hinterfragt werden.

Eine Ausschreibung im internen Netzwerk kann allenfalls als ergänzende Massnahme für einen begrenzten Zeitraum Sinn ergeben. Für die Preisoptimierung bleibt die öffentliche Ausschreibung mit maximaler Sichtbarkeit aber das überlegene Instrument: Je mehr potenzielle Käufer angesprochen werden, desto grösser die Angebotsvielfalt – und desto höher der erzielbare Verkaufspreis.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung sind ansprechende, professionelle Verkaufsunterlagen. Bei Grundstücken geht es darum, Interessenten das Potenzial der Parzelle aufzuzeigen – idealerweise mit einer von Architekten erarbeiteten Machbarkeitsstudie sowie ansprechenden Visualisierungen eines möglichen Bauprojekts. Ein einzelnes Foto des unbebauten Grundstücks wirkt dagegen wenig überzeugend.

Auch bei der Preiskommunikation stehen zwei Ansätze zur Wahl: Der Preis wird bereits im Inserat transparent kommuniziert, oder es heisst «Preis auf Anfrage». Letzteres wird in Fachkreisen häufig als Signal für einen überhöhten Preis interpretiert. Wer auf eine professionelle Bewertung setzt, hat einen plausiblen, nachvollziehbaren Preis – und damit auch nichts zu verbergen. Transparenz schafft Vertrauen bei Käufern und stärkt die Seriosität des Angebots.

Verkaufsprozess starten

Sind Strategie, Prioritäten und Preisgestaltung geklärt, kann der eigentliche Verkaufsprozess beginnen. Nach der Ausschreibung melden sich hoffentlich zahlreiche Interessenten.

Dabei gilt: Bei Grundstücken sind die Rückfragen ungleich komplexer als bei Wohnungen oder Häusern. Statt Fragen zum Bodenbelag im Kinderzimmer stehen plötzlich Themen wie die Löschbarkeit eines Quellenrechts oder Detailregelungen aus dem Baureglement auf der Tagesordnung. Auch Preisverhandlungen sind anspruchsvoller, da man es häufig mit professionellen Käufern zu tun hat, die taktisch versiert agieren – Angebote werden gezielt platziert oder zurückgezogen, um Druck auszuüben.

Wer ein Grundstück in Eigenregie verkauft, muss sich dieser Komplexität bewusst sein. Und das sind noch nicht alle Aspekte: Hinzu kommen die Wahl des richtigen Notariats, die rechtliche Prüfung des Kaufvertrags, der korrekte Ablauf der Reservation sowie die Auseinandersetzung mit steuerlichen Fragen.

Wie ermittle ich den idealen Verkaufspreis?

Wie im Artikel bereits mehrfach erwähnt, kommt man um eine seriöse, professionelle Grundstücksbewertung nicht herum. Wie diese konkret funktioniert, erläutert der verlinkte Artikel zur Grundstücksbewertung.

Häufige Stolpersteine beim Grundstücksverkauf

Fehler beim Grundstücksverkauf können teuer werden. Die häufigsten sind:

Unprofessionelle Verkaufsunterlagen: Käufer können sich kein hinreichendes Bild vom Potenzial der Parzelle machen – und Banken fehlt eine solide Grundlage für die Finanzierungsprüfung.

Mangelndes Marktwissen und fehlende Verhandlungskompetenz: Grundstücke an begehrten Lagen sind umkämpft. Professionelle Immobilienentwickler und institutionelle Investoren sind auf der Suche nach Schnäppchen – und schlecht informierte Privatverkäufer sind eine leichte Beute. Kaufangebote sollten deshalb stets von einem unabhängigen Fachkundigen geprüft werden.

Überhöhte Preisvorstellungen: Ein Grundstück, das zu lange zu einem unrealistischen Preis auf dem Markt ist, wird zum Ladenhüter. Spätere Preissenkungen helfen dann kaum noch – das Objekt ist verbrannt.

Selbstüberschätzung: Selbst gut informierte und engagierte Privatpersonen unterschätzen den Aufwand einer solchen Transaktion. Die Flut an E-Mails mit komplexen Fragen zu Bebaubarkeit, Grundlasten, Gefahrenkarte oder Finanzierungsdetails kann auch versierte Verkäufer schnell überfordern.

Fehlendes Absichern von Zusagen: Im Bereich Bauland tummeln sich auch unseriöse Kaufinteressenten. Sie geben vermeintlich verbindliche Angebote ab – und ziehen sich kurz vor Vertragsunterzeichnung zurück. Die Verkäuferschaft bleibt dann auf den Notarkosten sitzen. Daher gilt: Immer mit Anzahlungen, Reservationsverträgen, Finanzierungsbestätigungen und unwiderruflichen Zahlungsversprechen arbeiten.

Welche Käufergruppen kommen infrage?

Das hängt stark von der Bebaubarkeit der Parzelle ab. Kleinere Grundstücke in Einfamilienhausquartieren interessieren in der Regel Privathaushalte. Bei Grundstücken, die für ein Mehrfamilienhaus geeignet sind, treten schnell professionelle Immobilienentwickler und institutionelle Anleger – etwa Pensionskassen – auf den Plan.

Angesichts des politischen Trends zum verdichteten Bauen sind heute auch auf kleineren Parzellen Mehrfamilienhäuser möglich. Selbst ein normales Einfamilienhaus mit ansprechender Grundfläche kann damit zur attraktiven Baulandparzelle werden – und entsprechend breite Käuferkreise ansprechen.

Welche Kosten fallen beim Grundstücksverkauf an?

Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Kostenpositionen:

Kostenart Höhe
Notariatsgebühren Bis zu 0,8 % des Transaktionswerts
Grundbuchgebühren 0,1 % bis 1 % des Transaktionspreises
Handänderungssteuer (kantonal unterschiedlich) 1,0 % bis 3,3 % des Transaktionspreises
Mehrwertabgabe (bei Umzonungen) 20 % bis 40 % des Bodenmehrwerts
Grundstückgewinnsteuer Variiert je nach Gewinn, Besitzdauer und Abzügen
Maklergebühren Meist ca. 5 % des erzielten Verkaufspreises
Fazit

Der Verkauf eines Grundstücks ist deutlich komplexer als der Verkauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses. Neben rechtlichen, steuerlichen und bautechnischen Fragen spielen vor allem die korrekte Wertermittlung, eine durchdachte Verkaufsstrategie und professionelle Verkaufsunterlagen eine entscheidende Rolle.

Wer sein Grundstück unter Wert verkauft oder wichtige Abklärungen vernachlässigt, riskiert erhebliche finanzielle Nachteile. Umgekehrt zahlt sich eine sorgfältige Vorbereitung aus: Sie trägt dazu bei, den bestmöglichen Preis zu erzielen und den gesamten Prozess effizient und rechtssicher abzuwickeln.

Insbesondere bei Bauland oder Grundstücken mit Entwicklungspotenzial lohnt es sich, frühzeitig erfahrene Fachpersonen beizuziehen. Professionelle Begleitung schafft Sicherheit, reduziert Risiken – und hilft, das volle Potenzial eines Grundstücks auszuschöpfen.

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Philemon
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Engagierter Immobilienprofi

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